3. Das kranke Ich

Lesezeit: 3 Minuten

Bin ich krank?

Jeder kennt es, ein Ziehen in der Brust, ein stechender Schmerz im Arm, nur Bruchteile einer Sekunde da und schon wieder verschwunden. Das kann man dann als kurze Irritation des Körpers und als nicht weiter tragisch bewerten, aber häufig ertappt man sich doch dabei, schonmal die inhaltlichen Aspekte des eigenen Testaments zu eruieren. 

Was normalerweise aber nicht mehr als ein, zwei solcher Gedanken wert ist, kann für manche Menschen zu einem richtigen Problem werden. Aber wo liegt die Grenze zwischen einem kurzen Anflug von Sorgen und einer ernstzunehmenden Störung? Und worin unterscheiden sich diese Störungen? Und vor allem, wann macht es Sinn sich dahingehend mal überprüfen zu lassen? 

Ein Disclaimer vorweg, das hier soll kein Diagnosetool sein, um zu entscheiden ob eine therapeutische Beratung für dich Sinn ergibt oder nicht. Es soll vielmehr der theoretische Hintergrund solcher Erkrankungen beleuchtet werden und die wichtigsten Begriffe eingeordnet werden. Wer jetzt noch nicht beim Lesen ein- oder entschlafen ist, den erwartet ein spannender Ausflug in die Welt der klinischen Psychologie und vielleicht auch eine kleine Hilfe, warum die Sorgen die man bezüglich seiner eigenen Gesundheit gelegentlich hat, kein Grund zur Besorgnis sind.

“Du Hypochonder!”

Den Begriff „Hypochonder“ hat wahrscheinlich jeder von uns schonmal gehört. Beschrieben wird damit meist eine Person, die entweder besonders wehleidig oder bezüglich der eigenen Gesundheit besonders aufmerksam ist. Auch von „eingebildeter Krankheit“ wird in diesem Zusammenhang häufig gesprochen. Der Begriff ist durchaus negativ besetzt und wird gerne auch zur Diffamierung von Personen genutzt, daher sollte man davon absehen, ihn zu verwenden.

Welche Störungen gibt es?

Grundsätzlich lassen sich die beiden Störungen, die wir uns heute ansehen wollen, anhand eines Merkmals unterscheiden. Liegt ein tatsächliches Symptom vor, oder nicht? Bei der somatischen Belastungsstörung, ist das vorliegen eines somatischen Symptoms erforderlich, um die Störung zu diagnostizieren. Auf Basis dieses Symptoms entwickeln die Patient*Innen dann exzessive Gedanken oder Verhaltensweisen bezüglich dieses Symptoms und der damit einhergehenden Gesundheitssorgen. Die Patient*innen beschäftigen sich permanent und unter Einsatz von immenser Anstrengung mit ihren Symptomen, die nicht verschwinden wollen und die Betroffenen weit über 6 Monate belasten. Merkmale dieser Störung lassen sich in zwei Bereiche unterteilen. So gibt es einmal kognitive Merkmale, wie etwa ein eingeengtes Verständnis von Gesundheit und Krankheit, was sich in irrtümlichen und rationalisierten Ansichten bezüglich der Definition von Gesundheit und Krankheit äußern kann. Ferner zeigt sich häufig die Tendenz die kleinsten körperlichen Symptome katastrophisierend zu bewerten, also sprichwörtlich aus einer Mücke einen Elefanten zu machen und sich die schlimmsten Folgen auszumalen, obwohl dazu vielleicht gar kein Anhaltspunkt gegeben ist.

Was sind die Folgen der Störungen?

Diese kognitiven Merkmale schlagen sich dann in einem geänderten Verhalten nieder. So nehmen die Patient*Innen in ihrer Überzeugung schwer erkrankt zu sein, übermäßig häufig medizinischen Rat in Anspruch und lassen sich unter Aufwendung großer Mengen Zeit und Geld von diversen Spezialisten untersuchen. Eine negative Diagnose bringt nur kurzfristige Beruhigung, meist sind die Patient*Innen bereits nach wenigen Tagen, wieder derart besorgt bezüglich der Symptome, dass sie den nächsten Arzt aufsuchen. Hierbei wird dann meistens das sogenannte „Doctor Shopping“ betrieben, also das wiederholte wechseln des behandelnden Arztes, aufgrund der Enttäuschung über die vermeintlich falsch negative Diagnose. Besonders problematisch wird es wenn Betroffene entscheiden, das Zepter ihrer eigenen Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen und sich medikamentös selbst zu behandeln. Dieser unsachgemäße Medikamentengebrauch führt nicht nur zu keinerlei Verbesserung der Gesundheitslage, sondern kann im Gegenteil durch die Nebenwirkungen der Medikamente eher noch zu einer Verschlimmerung der Störung beitragen und sorgt ferner auch nur kurzfristig für Beruhigung der Betroffenen.

Hier gehts zu Teil 2!

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