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Blogartikel Nr. 2 Fürchtet euch nicht? Teil 2

die Schattenseite der Furchtlosigkeit

So erstrebenswert dies scheint, ein furchtbefreites Leben zu führen, so tiefgreifend sind doch die Konsequenzen. Fühlt man keine Angst, ist es auch quasi unmöglich Misstrauen zu fühlen, daher muss die Identität der Patientin geheim gehalten werden, aus der Sorge heraus, Menschen würden versuchen sie auszunutzen. Patientin SM wurde in ihrem Leben bereits zwei Mal sowohl mit einem Messer, als auch einer Schusswaffe bedroht und von ihrem ersten Ehemann beinahe erschlagen, weil ihr fehlendes Misstrauen sie in ungünstige Situationen brachte. Trotzdem, so sagt einer der sich mit ihr beschäftigenden Wissenschaftler in einem Interview, scheint sie gut durchs Leben zu finden. Unter anderem gelänge ihr dies, weil man beispielsweise durch logisches Nachdenken häufig zum selben Schluss käme, wie man es mit einer Furchtreaktion tut, auch wenn das logische nachdenken länger dauert. Den Link zu diesem sehr interessanten Interview findest du übrigens. Es scheint aber so zu sein, dass sie durch die fehlende Furchtreaktion öfter in gefährliche Situationen gerät. Nun, ihr kann es ja egal sein, verspürt sie in der Situation jedoch keinerlei Angst. Im Interview wird von einer Begebenheit berichtet, in der sie mit einem Messer bedroht wurde und der Situation wahrscheinlich gerade aufgrund ihrer Furchtlosigkeit noch einmal entgehen konnte.

Was will ich also mit meiner Furcht?

Was lernen wir also aus diesem Fall und warum ist es gut sich ab und an zu fürchten? Furcht als Emotion ist einer unserer basalsten Instinkte und sichert uns tagtäglich das Überleben. Durch die Furcht haben wir gelernt, was in unserer Welt uns potentiell gefährlich werden kann. Durch sie entgehen wir Situationen, die für uns unvorteilhaft enden könnten. Es ist also völlig normal und ebenso völlig gesund sich ab und an zu fürchten und keinesfalls sollte man (eine gesunde) Furcht als etwas Negatives auffassen. In unserer Gesellschaft gilt ein ängstlicher, vorsichtiger Mensch schnell als schwach oder Angsthase, dabei ist es gerade diese Furcht, die sichergestellt hat, dass es den Menschen nun seit mehr als 10.000 Jahren. Man sieht es eben besonders gut an Patientin SM. Nicht nur, dass man ihre Anonymität stets gewährleisten muss, da sie sonst wie gesagt Gefahr liefe ausgenutzt zu werden, man muss sie primär hinsichtlich mancher Dinge (wilder Tiere, unvorhersehbare Situationen) auch vor sich selber schützen. Ein Mensch mit einem gesunden Furchtempfinden macht dies ganz automatisch.

 Also sei froh, dass ihr euch hin und wieder fürchtet, es sichert in gewisser Weise euer Überleben. Außerdem zeigt es, dass es ein erheblicher Einschnitt in das normale Leben ist, sich nicht zu fürchten, in dessen Folge man Situationen nicht mehr instinktiv hinsichtlich ihrer Gefahr eingeschätzt werden können und dann muss man das durch angestrengtes Nachdenken lösen, und wer hat darauf schon Lust, wenn es doch eigentlich automatisch funktioniert.

Quelle:

Rattenexperiment:

Medina, J. F., Repa, J. C., Mauk, M. D., & LeDoux, J. E. (2002). Parallelsbetweencerebellum-and amygdala-dependentconditioning. Nature Reviews Neuroscience, 3(2), 122-131.

Interview mit Betreuer von Patientin SM:

https://www.npr.org/2015/01/16/377517810/world-with-no-fear

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