0. Psychologische Bildung Teil 2

Lesezeit: 3 Minuten

9/11 und der Straßenverkehr

Nach den Anschlägen vom 11. September hatten viele Amerikaner Angst vor dem Fliegen. Stattdessen nutzten sie den Autoverkehr und wollten alles vermeiden, was mit den Anschlägen in Verbindung stand. Ein Flugticket zu buchen kam also für viele erstmal nicht in Frage. Dadurch, dass nun viel mehr Amerikaner ihr Auto nutzten, kam es zu einem anderen Problem. Es gab viel mehr Opfer im Straßenverkehr als in den Jahren davor. Wissenschaftler haben berechnet, dass etwa 1500 Amerikaner zusätzlich zu den normalen Verkehrstoten starben.[5] Am 11. September starben 3000 Personen. Mit den Verkehrstoten danach führte der Terroranschlag also zu insgesamt 4500 Toten – aufgrund einer Bauchgefühl-Entscheidung.

Wie uns die Angst zu falschen Entscheidungen drängt

Die Angst der Menschen ist natürlich völlig verständlich – aber gleichzeitig übersteigert. Warum? Eine zentrale Rolle spielen hierbei die Medien. Sie führen zu einer verzerrten, falschen Wahrnehmung der Realität: Jeden Tag die gleichen Bilder von abstürzenden Flugzeugen zu zeigen, erweckt in uns den Eindruck (ob bewusst oder unbewusst): Anscheinend stürzt jedes Flugzeug ab (siehe Fußnote zu “Verfügbarkeitsheuristik”[6]).

Vor diesem Hintergrund lässt sich feststellen: Hier hatte die Angst zweifellos eine (unbewusste) gefährliche – um nicht zu sagen tödliche – Konsequenz. Es wurde eine falsche – bzw. irrationale – Bauchgefühl-Entscheidung getroffen. Denn tatsächlich ist Fliegen deutlich sicherer als Autofahren (mehr dazu siehe Fußnote[7]).

Jetzt kommt es aber noch besser/schlimmer. Nach den Anschlägen nahm nicht nur der Straßenverkehr zu, sondern auch die Hassverbrechen gegen Muslime. Von 2000 bis 2001 stiegen sie von 33 auf 546 Verbrechen pro Jahr.[8] Gerechtfertigt? Werft hierfür mal einen Blick auf folgende Tabelle:

Alles auf Risiko?

Die klare Antwort lautet: Nein! Sich von seinen Gefühlen leiten zu lassen, war wieder die falsche Entscheidung. Laut den Fakten, also den Statistiken in der Tabelle, sind das größte Problem der USA nicht die Terroristen – es sind ihre Rasenmäher und ihre Betten. Krass formuliert, hier noch deutlicher: Das größte Problem sind Sie selbst! Viel eher als durch Terrorismus stirbt man, weil man durch andere Amerikaner erschossen wird.

Was wir als Risiko wahrnehmen, muss also nicht immer ein Risiko sein! Terrorlagen gibt es heute noch, zunächst ist da auch kein Ende in Sicht. Trump hat entschieden, keine Menschen mehr aus islamisch geprägten Ländern einreisen zu lassen. Er nutzt damit die – verhältnismäßig völlig unberechtigte – Angst der Bevölkerung vor Terror aus. Eine Angst, die eher den Rasenmähern und Betten gelten sollte. Quasi.

 

Was nützt dir das?

Ein psychologisches Bewusstsein hilft uns Entscheidungen aus einer weiteren Perspektive betrachten zu können und uns – vielleicht – auch mal bremsen zu können. Ihr wisst nun, wann man vorsichtig bei Bauchgefühl-Entscheidungen sein sollte. Dadurch habt ihr jetzt der stärksten Waffe von Terroristen – dem Erzeugen von Angst – etwas entgegen zu setzen! #sogarMeinRasenmäherIstGefährlicherAlsDu

Man darf nicht vergessen: Wir versuchen gerade die Macht der Gefühle (nämlich Angst) mit den Werkzeugen der Logik zu bekämpfen. Dass das schwierig ist, steht außer Frage. Aber wir haben euch hoffentlich gerade verständlich zeigen können, dass es im weitesten Sinne Leben retten kann. Also, teilt sehr gerne diesen Artikel, erzählt euren Freunden davon, schreit es in die Welt hinaus…. und macht Platz für die Psytastic App.

 

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